[Kor'lyn Winterbiss] Briefe

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1 Monat 1 Woche her - 1 Woche 1 Tag her #5492 von Frostrabe

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~ Kor'lyn Winterbiss - Befreit in Märchen lieber den Drachen
Letzte Änderung: 1 Woche 1 Tag her von Frostrabe.

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1 Woche 1 Tag her #5639 von Frostrabe
Irgendwo zwischen Dunkelheit, Blut und Schweiß...


Nun lag also alles auf Eis. Nicht in der schönen Variante, denn die hätte bedeutet, dass man es endlich nach Zuhause geschafft hätte. Doch von diesem Gedanken hatte man schon Abschied genommen, als die Dämonen nahe Lisfar auftauchten. Ja, verdammt! Sie wollte nichts sehnlicher, als nach Hause. Ihren Vater endlich wieder in die Arme schließen. Ihrer Mutter Widerworte geben und sich dann doch geschlagen geben. Ihre Forschungen weiterführen, um die Zauber ein wenig anders werden zu lassen, die Erschaffung der Gegenstände weiterverfolgen, einen Garten erschaffen...

Aber es ging nicht. Warum sonst, sollte dieses ausgezehrte Stück Halbelfe denn noch immer in der Umgebung von Elfenbaum unterwegs sein? Richtig! Dämonen, Untote, Fernberger. Und von allem reichlich. Alles in der Umgebung einer kleinen Stadt, die nun von Verlusten gezeichnet war und sicherlich nicht die Kraft oder Zeit hatte, sich um den Neuaufbau der zerstörten Häuser UND die Tilgung der Gefahren im Umland zu kümmern. Also tut man eben, was man kann. Chaos verbreiten. Als wäre es nicht genug Chaos, wie man aussah. Voller Blut, Dreck, Schmodder, Blätter... von allem etwas und von dem, was man nicht haben wollte, gleich noch mehr. Der beißende Gestank der Hezrou haftete schon regelrecht an ihr und eine leichte Note Schwefel und Ruß war ebenfalls nicht fern. Die sonst so akribisch ausrasierten Seiten wucherten regelrecht, sodass die Tätowierungen inzwischen nicht mehr zu sehen waren. Es wirkte schon irgendwie kläglich und doch bekam man diesen gewissermaßen kampfeshungrigen Blick nicht aus ihrem Gesicht, das auf einem unsagbar erschöpften Körper sitzt. Zumindest ruht man sich aus, dennoch reicht es nicht, um den Anstrengungen der letzten Zeit richtig entgegenzuwirken.


Kaum erst war es mit Unterstützung geschafft worden, die Neubesetzung des Forts auszulöschen, stand diese schon zum Teil wieder auf und griff von Neuem an. Großartig. Ganz großartig. Und da fragt tatsächlich noch jemand, was man dort mache. Pah..! Schützen. Hüten. Töten. Dicknipplige Wumpel! Dieser verfluchte Nekromant, diese beschissenen Dämonen und natüüüürlich... vermaledeyte Fernberger! So hatte die Halbelfe sich ihr Leben sicher nicht vorgestellt. Aber sie klagte auch nicht - na gut, nur ein wenig. Vielleicht auch dann und wann ein wenig mehr. Hin und wieder wird auch verärgert herumgezetert, aber dann hört meist nur Fred zu.


"Ich versteh' nich', warum Du so gerne plünderst. Du bist doch inzwischen sicher reich." waren seine Worte, kurz nachdem Lyn einen eher ekligen Fund in den jämmerlichen Baracken des Forts machte, auf den besser nicht näher eingegangen wird.
"...man weiß halt nie, was man findet. Das ist wie viele kleine Überraschungspakete zu öffnen!" gab die streng Riechende zur Antwort. Lyn liebte Überraschungen. Solange es kleine waren. Reichtümer, riesige, kostspielige Geschenke - nein, das war nie der Wunsch. Es brauchte nicht viel, um sie glücklich zu machen. Kleinigkeiten, die sie mit sich führen konnte, irgendwann in ihr eigenes kleines Reich mitnehmen konnte, sollte sie jemals einen passenden Unterschlupf für sich selbst finden.
Erinnerungen, die sich horten ließen, wie kostbare kleine Schätze - denn nichts anderes sind solch kleine Dinge ihrer Ansicht nach.
Eher gäbe sie sämtliche Goldbringenden Dinge von sich, als auch nur einen einzigen dieser kleinen Steine, mit dem Loch in der Mitte, die kleine glattgeschliffene Tödlichkeit, die der erste Abend ihr bescherte, die geangelte Pfeife, die so von ihr manipuliert wurde, dass nun wirklich Tentakel aus ihr herausdrangen, wenn man rauchte.

Ja selbst diesen furchtbaren ollen Lappen trug sie ständig mit sich herum! Gut, er war inzwischen gewaschen und gab einen nicht unbedingt schlechten Umhang ab, aber es sind eben die Gedanken, die an der Mutter aller Lappen und allem anderen hingen. Ebenso wie an Dietrichs Dietrich, der seit jeher in ihrem Stiefel ruht. Der kleine, hellblau schimmernde Stein, der jeden Tag aufs Neue als Glücksbringer unter den Handschuh geschoben wird. Das alles hatte, von dem Stein ausgenommen, keinen wirklichen Verkaufswert.
So weit weg von Zuhause erhielten die kleinsten Dinge einen hohen sentimentalen Wert, an dem sich festgehalten wurde. Es half ungemein in diesen Tagen.

Keinesfalls zu vergessen war natürlich Fred, der ihr in den letzten Zehntagen aufmerksam lauschte, wenn der Wahnsinn näher an sie herandrang, als sie zulassen wollte. Der kleine, in allen Farben schillernde Stein, der ihr geschenkt wurde und selbstverständlich nicht sprechen konnte. Aber mit dem eben gesprochen wurde und man so lange herumsponn, bis man sich Antworten einbildete. Immerhin sorgte er dafür, dass man nicht zu sehr in einen Wahn verfiel, der einen wohl einfach überkommen muss, wenn man nachts Soldaten auflauert, um sie zur Strecke zu bringen. Sich mit Untoten und Dämonen anlegt und wieder und wieder mit dem Leben davonkommt und diesem irren Gefühl, dass man doch direkt das Hauptproblem angehen könnte, wenn man das alles bisher auch überlebt hat. Tja.. Fred hielt die Wrackige mit seinem harten Kern und seinem stoischen Schweigen gekonnt davon ab.

Einer der Soldaten hatte eindeutig eine Überraschung in seinem Hab und Gut verborgen. Wein! Vermutlich. Auf dem einen Etikett stand etwas von "Le.ht...er" und das andere ließ sich gerade noch mit "...erz" und "..Wein" beziffern. Tja, hauptsache Wein! Also hatte es sich schon mal gelohnt. Mit diesem winzigen Erfolg konnte man arbeiten.


Nach einer deutlich erholsameren Ruhepause und auch endlich mal etwas mehr im Magen, konnte man die Wälder angehen. Hier ein paar Illusionen setzen, dort ein paar Geräusche. Alles, was einen simplen Soldaten verunsichern und ängstigen konnte, war erwünscht. Ob es nun gruselige, unheilvolle Schreie waren, merkwürdige Schatten, die sich gruselnd durchs Unterholz bewegten und dabei manchen schwer stampfenden Schritt hinterlassen. Womöglich hilft es, die Moral zu senken, ein wenig Panik zu verbreiten, zu verunsichern. Nur ein oder zwei von einer Patroullie aus der Dunkelheit heraus zu töten und den Rest davonlaufen zu lassen. Wenn man derlei lange genug aufrecht erhalten könnte, bestünde zumindest gedanklich eine Chance und das ist allemal einen Versuch wert.

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