Ein Pfeil im Flug

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3 Jahre 5 Monate her - 3 Jahre 5 Monate her #1162 von Amari
Ein Pfeil im Flug wurde erstellt von Amari
Die Jagd beginnt

Wenn man in einen Wald lauscht, dann hört man die Geräusche der Stille. Es sind Kleinigkeiten, die niemandem auffallen, der das Lied der Natur nicht kennt. Doch Am'arìasah wusste jede Note davon - das glaubte sie zumindest bis vor einigen Tagen. Seitdem sie hier an den Stand angespült wurde, versuchte sie, diese Melodie erneut zu finden. Aber sie war anders.

Überall dort, wo sie einen bestimmten Klang erwartete, widersprach ein Ton der Harmonie. Überall dort, wo sie einen Missklang erwartete, erwartete sie ein runder Akkord. Sie war keine alte Mondelfe, aber ebenso auch keine Junge. Und wenn man nach fast 130 Jahren dachte, man kennt ein Lied und auch seine Abweichungen, so zehrten diese Momente des Fehlklangs an ihrer Seele. Ebenso weckte dies aber ihre Neugier.

Doch bevor sie sich diesem Geheimnis widmen konnte, musste sie erst ihre eigene Melodie wieder finden - in Einklang bringen. So ungewohnt die Töne der Natur auf dieser Insel waren, so unbekannt war Am'arìasah das Rascheln des Laubs. Daher dauerte es erst eine Weile, bis sie sich wieder lautlos in das Orchester des Walds eingliedern konnte. Während sie wieder wie eine junge Elfe das erlernen musste, was ihr eigentlich schon seit Jahrzehnten bekannt war, bemerkte sie aber etwas Bekanntes in der Fremde.

Schnell hatte sie die Spur aufgenommen und folgte ihr. Zuerst war es der Geruch ihrer Jagdbeute, der ihr so vertraut. Dann sah sie auch die Abdrücke im Boden und an den Bäumen. Am'arìasah pfiff einmal laut und klackerte sie mit ihrer Zunge. Stille. Sie wiederholte den Pfiff und schnalzte dann. Kurz darauf raschelte es im Wald. Zuerst hörte die Mondelfe einen weichen, vogelähnlichen Laut. Es klang fast jämmerlich klagend, wie sich das Schilpen fortsetzte. Doch kurz darauf konnte Am'arìasah etwas durch das Gebüsch huschen sehen.

Der Körper der Mondelfe spannte sich an, sie zog ihren Dolch und dann schoss ein weiß-silbriger Blitz auf sie zu - dicht über den Boden. So schnell konnte Am'arìasah gar nicht reagieren, da war es auch schon an ihrem Körper hochgeklettert, hatte sich mit kräftigen Krallen als Kletterhilfe in ihrer Kleidung verankert und kurz vor ihrem Gesicht hielt es inne. Ein Keckern begrüßte und der Dachs schmiegte sich an ihren Hals.

Am'arìasahs Mundwinkel zuckte kurz und sie tätschelte den Kopf des Dachses: "Habe ich dich wieder gefunden, alter Freund. Ich hatte kaum zu hoffen gewagt, dass du auch hier bist."
Ein aufgeregtes Schnauben war die Antwort.
"Ich weiß", die Elfe nickte. "Etwas stimmt hier nicht."
Diese Worte wurden von einem tiefen Knurren begleitet.
"Nein, ich weiß nicht, was die Spinnenbrut hier will. Doch wir müssen vorsichtig sein. Die Menschen sind zu vertrauensselig. Doch ich denke, ich habe zumindest schon ein paar getroffen, die vielleicht nicht ganz so empfänglich für das Gift der Spinne sind. Wenn du sie siehst, sei nett zu ihnen - nicht wie sonst."
Der Dachs grollte.
"Sie haben mir geholfen, als ich hier angespült wurde. Wir werden sehen. So wie ich hörte, sind die Menschen hier wieder so uneins, wie eh und je. Aber bei ihnen habe ich ein gutes Gefühl."
Gurrend schmiegte sich der weiß-silbrige Kopf des Dachses an die Kehle Am'arìasahs.
"Ja, ich bin auch froh, dass ich dich wieder gefunden habe, Teu'zair."

Am'arìasah setzte den Dachs wieder auf den Boden, der sie erwartungsvoll anschaute. Gerade wollte die Mondelfe weitergehen, da ließ ein Bellen Teu'zairs sie innehalten und seufzen.

"Ja, keine Sorge. Ich habe meine Lektion gelernt. Ich werde beobachten. Ich werde lauschen und ich werde warten. Wenn sie meine Hilfe gegen die Brut der Spinne nicht wollen, werde ich auf der Sehne lauern wie ein Pfeil - und ich werde zielen. Genau. Sehr genau."

Am'arìasah Cyredlues (Wiki)
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3 Jahre 4 Monate her - 3 Jahre 4 Monate her #2483 von Amari
Amari antwortete auf Ein Pfeil im Flug
Von Dissonanzen, Pfeilspitzen und einem ungeduldigen Blitz

Alles hier war ungewohnt und das weckte die Neugier in Am'arìasah. Das Rascheln der Blätter, der Wind in den Zweigen und der Gesang der Vögel - die Melodie dieser Insel wirkte hin und wieder schief und falsch. Aber vielleicht hatte dies auch mit dem Schiffbruch der Mondelfe zu tun, von dem sie sich immer noch nicht so richtig erholt fühlte.

Daher nahm sie sich die Zeit und lauschte. Sie war sich sicher, dass viele der Menschen hier sich nicht die Zeit nahmen. Wirklich verübeln konnte Am'arìasah es ihnen nicht, denn wer weiß, wie sie reagieren würde, wenn sie nur ein paar Jahrzehnte zu leben hätte. Aber um so wichtiger war es, dass sie sich nicht hetzte, denn das war, was sie ihnen geben konnte. Manche mochten es als Arroganz ansehen und vermutlich war es das auch teilweise, aber zu einem nicht unerheblichen Teil war es eher eine gutmütige Arroganz - was es nicht zwingenderweise besser machte. Aber hatte das Elfen jemals daran gehindert?

Für Am'arìasah dauerte es gefühlt nicht lange, aber für hektischere Gemüter wäre das Verstreichen der Tage - nein, sogar Wochen - offensichtlich gewesen, in denen die Mondelfe scheinbar sinnlose und banale Dinge im Wald machte. Sie lehnte sich an einen Baum und hörte in den Wald. Sie ging in die Hocke und fühlte den Boden, spürte die Schwingungen darin. Sie lauschte dem Gewitter und sie hörte auf die entfernten Schreie und Kampfgeräusche. Dessen war sich die Tel'Quessir sicher und es wunderte sie nicht. Am'arìasah machte einen Bogen darum - vorerst. Es gab Dissonanzen in all dem, doch diese kamen nicht von der Insel.

Die Mondelfe wusste, dass sie wenig ausrichten konnte in ihrem derzeitigen Zustand. Außerdem gab es zumindest in ihren Augen wichtigere Dinge im Augenblick. Sie musste verstehen, doch das benötigte Zeit. Mehr Zeit. Vielleicht mehr Zeit als die Menschen auf dieser Insel hatten, wenn die Spinnenbrut mit bereit vergifteten Dolch in ihrem Rücken gemütlich spazierten. Dabei war das Gift auf den Klingen vermutlich weniger gefährlich, als jenes auf ihren Zungen. Doch jetzt war nicht die Zeit, um zu kämpfen. Jetzt war die Zeit, um sich vorzubereiten und um sich zu rüsten. Deswegen schnitzte Am'arìasah zahllose Pfeile, während sie den Geräuschen der Insel lauschte. Es hatte fast etwas Meditatives. Nicht ganz so meditativ war, wie sie an das Metall für die Spitzen kam. Jedenfalls empfanden es die Goblins bestimmt nicht so.

"Was hast du, Teu'zair?", fragte Am'arìasah zu dem Dachs, der sie aufmerksam, fast herausfordernd und aber um so ungeduldiger anblickte.
Er keckerte missmutig als Antwort.
"Sind tatsächlich schon Wochen vergangen?" Die Mondelfe blinzelte und blickte sich um. Tatsächlich konnte sie am Stand der Sonne erkennen, dass mehr Zeit vergangen war, als sie gedacht hatte. "Ich bin allerdings noch nicht fertig. Noch fühlt sich dieses Lied so fremd, so ungewohnt, so falsch an, sodass ich mich noch nicht wie gewohnt hier bewegen kann."
Der Dachs streckte die Nase empor und es wirkte fast wie ein vorwurfsvolles Kopfschütteln.
"Nein, ich habe sie nicht vergessen. Gerade deswegen mache ich das alles hier doch. Wenn nicht ich, wer dann?"
Es war offenkundig von den schnarrenden Lauten des Dachses, dass dieser die Meinung der Elfe nicht teilte.
Am'arìasah seufzte: "Also gut, mein ungeduldiger Freund. Ich will allerdings noch etwas vorher erledigen. Wenn du mir dann zeigen kannst, wo sie sind, werde ich deinem Wunsch nachkommen. Ich begleite dich, sobald ich fertig bin."
Der Dachs schnatterte triumphierend und wuselte in das Dickicht des Waldes.

Am'arìasah blickte ihm noch eine Weile nach, ehe sie sich wieder dem Wald widmete, um ihr Lauschen zu beenden. Aber wann würde sie hier auf dieser Insel je fertig sein? Doch das kümmerte sie im Augenblick nicht. Sie hatte Zeit.

Am'arìasah Cyredlues (Wiki)
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3 Jahre 2 Monate her - 3 Jahre 2 Monate her #3573 von Amari
Amari antwortete auf Ein Pfeil im Flug
Löchrige Vorbereitungen

"Krallen weg, du kleiner Quälgeist!", für Ohren, die kein Elfisch verstanden, mochte das Ausschimpfen Am'arìasahs eher wie ein melodiöses Singen klingen. Doch der drohend erhobene Finger in Richtung des Dachses hätte spätestens deutlich gemacht, dass sie nicht scherzte. Der Dachs bleckte die Zähne und schnarrte angriffslustig. "Manchmal frage ich mich echt, warum ich mich überhaupt mit dir abgebe, Teu'zair? Du bist angriffslustig, du bist aufmüpfig und viel zu neugierig. Womit habe ich dich nur verdient?"
Der Dachs hob die Schnauze in die Luft, wiegte den Kopf hin und her und grunzte.
"Also gut", die Elfe seufzte und öffnete noch einmal das Loch im Boden vollständig. "Aber dass das nicht zur Gewohnheit wird!"

Sie förderte eine etwas größere Nuss aus einem Beutel hervor und reichte sie dem silbergrauen Dachs, der ganz aufgeregt den Kopf hin und her wiegte und schließlich zufrieden gurrte, als er sich über seine "Beute" hermachte. Am'arìasah bedeckte das Loch erneut und legte Blätter sowie Äste darüber, um es für Fremde unkenntlich zu machen. Die letzten Wochen hatte sie damit zugebracht, an wohl platzierten Orten auf der Insel kleine Vorräte für sich anzulegen. Es war nicht nur Essen, sondern allerlei Dinge, die sie im Strandgut oder bei ein paar unglücklicheren Goblins, die ihr über den Weg gelaufen waren, fand.

Sie hatte sich bisher keinem Lager und keiner Gruppe angeschlossen. Vermutlich wären viele mit der "Dachselfe" - ja, Teu'zair und Am'arìasah hatten mehr gemein, als die Elfe zugeben wollte – sowieso schlecht ausgekommen. Der rebellische und angriffslustige Freigeist wollte sich keiner Struktur anschließen und seine Unabhängigkeit aufgeben; auf welche Weise auch immer. Um so wichtiger war, dass sie absicherte, gerade weil sie kein festes Lager hatte und im Wald auf den Bäumen übernachtete.

Sie hatte zwar schon Gestrandete getroffen, mit denen sie gut leiden konnte und um die sie sich auch sorgte. Doch sie sah sich eher als Beobachterin und als Wächterin im Hintergrund. Sie spähte, sie kundschaftete und sie war weiterhin dabei, das Lied dieser Insel zu verstehen. Das war ihr allein einfacher möglich. Außerdem hatte sie Teu'zair. Dem Dachs hatte sie aufgetragen, jene Gestrandete im Blick zu behalten und sie zur Not zu rufen, falls ihm auffallen sollte, dass sie Hilfe benötigten. Natürlich konnte ihr treuer Gefährte nicht überall sein, doch er war wuselig und schnell.

Am'arìasah wusste, dass sie nicht überall sein konnte. Daher nahm sie sich ihre Zeit und bereitete sich vor – darauf, allein zu sein, aber ebenso im Notfall Anderen Hilfe bieten zu können. Diese kleinen Verstecke auf der Insel, wie jenes vor ihr im Boden, waren ein erster Schritt auf diesem Weg und den hatte sie nun abgeschlossen. Zufrieden erhob sie sich in einer fließenden Bewegung, blickte sich aufmerksam um und verschwand dann wieder im Dickicht.

Am'arìasah Cyredlues (Wiki)
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Letzte Änderung: 3 Jahre 2 Monate her von Amari.

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3 Jahre 2 Monate her #3694 von Amari
Amari antwortete auf Ein Pfeil im Flug
Spuren einer Wiederkehr

"Er scheint nicht mehr hier zu sein", flüsterte Am'arìasah zu ihrem Dachsgefährten Teu'zair, der ebenso suchend die Nase in die Luft streckte und schnupperte. "Wenn er wirklich so nach Grab und Tod gestunken hat, wie mir gesagt wurde, dann hätten wir zumindest irgendwelche Spuren bemerken müssen."
Teu'zair grunzte zustimmend.
"Möglicherweise sollten wir in den toten Briefkästen nachsehen, ob er oder eine meiner Schwestern eine Nachricht hinterlassen haben."

Viel war passiert, seit Am'aríasah das Grab Láfaêrs gefunden und dort getrauert hatte. Sie hatte versucht herauszufinden, was genau passiert war. Zu zerstreut waren aber alle Lager, niemand wusste etwas genaues - oder sagte es vielleicht nicht. Hinzu kam, dass die Schiffbrüchigen stets in Gefahr lebten. Das waren alles Umstände, die es auf dem Festland nicht gab und dort ihre Suche nach Informationen einfacher gestaltet hätte als auf dieser Insel. Nein, diese Insel war noch nicht erschlossen auch wenn manche das zu glauben schienen; noch nicht einmal ansatzweise. Der trügerische Schein von Sicherheit durch Mauern und erste Regeln täuschte über die stets vorhandene Bedrohung der Insel hinweg.

Da Am'arìasah aber so wenig hatte herausfinden können, suchte sie nach ihren Schwestern, doch fand keine Spuren von ihnen. Weder konnte fand sie jemandem am üblichen Lagerplatz Nyahels im Osten, noch war Sylihel auf der Insel zu finden - und keiner hatte sie gesehen. So gut dies war, um vor den Drow und anderen Gefahren der Insel versteckt zu bleiben, dies war die Schattenseite dessen, kein festes Lager und keinen festen Treffpunkt zu haben. Es war sicher und unsicher zugleich. Doch Am'arìasah sah darin weiterhin die sicherste Möglichkeit, den täglichen Gefahren der Insel zu begegnen. Auch wenn sie dies nun verfluchte.

Schließlich hatte sie erfahren, dass Láfaêr angeblich an der Taverne in Strandnähe gesichtet worden sein sollte - und endlich gab es mehr Informationen für die Elfe. Sie führten sie zum Strand, denn dort sollte er hingegangen sein, um den Leichnam einer weiteren Elfe geborgen zu haben. Das war immerhin eine Spur und die frischeste, die sie überhaupt in der Lage war zu finden. Auch wenn sie sich nicht sicher war, ob sie tatsächlich hoffen durfte oder weiterhin nervös dem Treffen entgegensehen sollte.

Denn was wäre, wenn tatsächlich ihre schlimmsten Befürchtungen wahr werden würden und nur der Körper, aber nicht die Seele des Elfen zurückgekehrt waren? Wenn es keine Heilung war, sondern eine Wiederkehr? Wenn es so wäre, dann müsste sie dem Körper ihres Bruders Wunden zufügen, die sie selbst ebenso spüren würde - aber das wäre dann die einzige Möglichkeit, um ihm die Ruhe zu schenken, die er verdient hatte. Nein, darüber durfte sie sich jetzt keine Gedanken machen. Ein Schritt nach dem anderen und was das erste Treffen bringen würde, das würde sich zeigen.

Doch hier fand sie niemanden. Am'arìasah erhob sich vom Boden und schüttelte den Kopf gen Teu'zair: "Nichts." Vielleicht suchte sie an der falschen Stelle, doch das bezweifelte sie. Nein, seine Schritte hatten ihn weiter geführt und sie hoffte, nicht in eine erneute Gefahr. Noch einmal durfte sie nicht zu spät sein. Egal, ob sie seinen Körper retten oder für die ewige Ruhe befreien musste. Vielleicht sollte sie doch jene suchen, die sie hinter der Rückkehr Láfaêrs vermutete nach dem, was sie herausfinden konnte. Aber auch bei diesem Treffen wusste sie nicht, wie dies ausgehen würde - Faust, Dolch oder Pfeil.

"Wir suchen dort drüben weiter", so schnell gab die Elfe nicht auf. Das war noch nie ihre Art gewesen - eine Stärke und eine Schwäche zugleich.

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3 Jahre 2 Monate her #3800 von Amari
Amari antwortete auf Ein Pfeil im Flug
Einsamer Überlebenskampf

Unvorstellbare Schmerzen durchzuckten Am'arìasahs Körper und immer wieder spürte sie Stiche von den zahlreichen Ästen, die ihr das Gesicht zerkratzten, als sie sich mit eisernem und letzten Überlebenswillen durch das Dickicht kämpfte. Die Elfe wagte nicht, nach hinten zu sehen. Nein, es gab nur den Weg nach vorne. Sie musste so viele Schritte wie möglich zurücklegen und so viele Bäume und Sträucher zwischen sich und den Drow bringen, dass er ihre Spur vielleicht verlor. Nach all den Monaten auf der Insel hatte er sie nun entdeckt. Auf lange Sicht war es unvermeidlich gewesen. Doch sie hatte gemerkt, dass sie nicht auf diese Begegnung vorbereitet war. So gar nicht! Er war mächtig. Das hatte sie aber schon die ganze Zeit vermutet. Daher hatte sie sich versteckt, daher war sie allein geblieben, daher hatte sie nie ihr Lager am gleichen Ort aufgeschlagen. Aber irgendwann hatte dies passieren müssen.

Der Wind trug Am'arìasah durch das Dickicht. Sie hatte ihn gerufen und er war ihrem Lied gefolgt. Vermutlich war es ihr nur deshalb gelungen, mit letzter Kraft vor dem Drow zu fliehen. Doch langsam ebbte der Wind wieder ab und sie spürte, wie jeder Schritt immer schwerer und schwerer wurde. Da waren sie erneut - die Schmerzen! Anfangs war ihre rechte Körperseite noch benommen vom Betäubungsgift des dunkelefischen Armbrustbolzens. Doch jetzt, da langsam wieder das Gefühl in diese Körperseite zurückkehrte, spürte sie die Säure, die sich langsam durch ihre Lederrüstung fraß und Kontakt zu ihrer Haut aufnahm.

Sie schrie und schleppte sich aus dem Dickicht in Richtung eines Baches. Wasser! Sie musste das Wasser erreichen. Die Elfe biss die Zähne fest aufeinander und griff mit zittrigen Händen nach dem Dolch an ihrem Gürtel. Noch während sie in Richtung des Wassers taumelte, schnitt sie grob an ihrer Lederrüstung herum und versuchte, das beschädigte und mit Säure beschädigte Material zu entfernen. Sie spürte das Brennen auf ihrer Haut, als die Flüssigkeit reagierte und es raubte ihr fast den Atem.

Neben dem Bach ging sie in die Knie und Wusch sich die Wunde keuchend aus. Ihr wurde schummrig vor Augen. "Aber nein, darfst du nicht das Bewusstsein verlieren! Das wäre zu gefährlich! Dann hättest du auch gleich sich dem Dhaerow ergeben können!" Nein, sie würde es dieser verdammten Brut nicht so einfach machen! Sie presste die Lippen fest zusammen und bemühte sich, die Säure zu entfernen - was in ihrem Zustand nicht ganz so einfach war. Doch irgendwie gelang es ihr, auch wenn die offen gelegte Haut nicht gut aussah. Das kümmerte die Elfe aber wenig. Was machte eine Narbe mehr an ihrem Körper? Sie würde sich in guter Gesellschaft fühlen, denn Am'arìasah war schon gezeichnet genug mit solchen Erinnerungen an ihr Überleben.

Am'arìasah merkte, wie ihr Blick immer immer verschwommener wurde. "Nein, nicht hier offen am Bach!" Sie schluckte den Schmerz herunter, stemmte sich mühsam empor und taumelte in Richtung eines Gestrüpps. Erst als sie die Äste spürte, ließ sie die Müdigkeit zu, die sie überkam. Die Dornen, die über ihre Haut rieben, als sie in das Dickicht fiel, spürte sie schon kaum noch, als sie ohnmächtig wurde. Immerhin würde sie keiner hier finden. Oder doch? Wäre es vielleicht nicht sogar besser in diesem Zustand? Doch so weit hatte die Elfe in ihrem Überlebenskampf nicht gedacht. Es wurde still am Bach und am Gestrüpp. Wenig später raschelte etwas durch das Unterholz. Es war grau-silbern und huschte schnuppernd und suchend über den Boden. Die Dachsnase hatte den vertrauten Geruch schnell aufgenommen und fand den ohnmächtigen Körper der Elfe. Zuerst hockte der Dachs bewachend daneben. Doch je länger er wartete und je länger die Elfe nicht wieder zu Bewusstsein kam, desto unruhiger wurde Teu'zair. Also machte er sich auf den Weg und suchte die Umgebung nach Hilfe ab.

Am'arìasah Cyredlues (Wiki)
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