[Museum] Nachts im ...
 
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[Museum] Nachts im Museum

Spiegelfeder
(@spiegelfeder)
Fester Nebel Spieler

Schon etliche Stunden war Vroni Wanderweit...weit gewandert und befand sich in den eigenen heimeligen Wänden, um dort der Nachtruhe zu frönen, die sie nach einem anstrengenden Tag mit einer Vielzahl an Besuchern und Staubwischen bitter nötig hatte. All die Kleinigkeiten die sich dort fanden, waren von derartiger Präzision, dass sie trotz ihrer geschickten Finger immer wieder Mühe hatte, alles ordentlich herzurichten.

Währenddessen bekam sie - wie so viele andere des Nachts in Lisfar - gar nicht mit, was sich dort heimlich und ungesehen abspielte. Sanfte Klavierklänge stahlen sich wie ein ruhiger Bach durch die Landschaft und erzeugten mit ihrem schwebenden Charakter eine harmonische Melodie. Die rechte Hand formte klare, leuchtende Melodiebögen, während die linke Hand mit subtilen, pulsierenden Akkorden eine Fundament schuf, das die Melodie wie einen stillen Atemzug trug.

Die Dynamik entblätterte in der fremdartig eingerichteten Umgebung, nie aufdringliche, sondern immer einladende Momente einer Erzählung, die melancholischer nicht sein konnte. Es schien, als würde das Klavier nicht nur gespielt werden, sondern mit einer hingebungsvollen Art und Weise berührt, wodurch jede Note wie ein Teil des Spielenden daherfloss. Ein Lied, dass gleichermaßen nachdenklich und hoffnungsvoll klang und nur für jene durch die Wände zu hören war, die sich dicht mit ihrem Ohr an die Fassade klebten.

Wie ein stiller Sonnenunterang, der den Übergang zur Nacht einleitete.

 

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Piano Solo - Tim Burton - Corpse Bride

 


Nur die allerbesten Bösen können sich als Gute tarnen.

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Themenersteller Verfasst : 24. Januar 2025 18:48
(@dying-despot)
Fester Nebel Administrator

Nun war das Gebäude zwar nachts wie ausgestorben, aber tatsächlich war Aren Jago ganz oben im Turm noch wach und nahm ein ausgiebiges Bad in seinem Zuber. Sicherlich war es nicht eben oft der Fall, dass der Fuhrmeister die Nacht hier verbrachte, aber womöglich war er schlicht von einem längeren Auftrag zurückgekehrt und gönnte sich nun die nächtliche Ruhe in den heimischen vier Wänden. Zumindest bis die Ruhe durchbrochen wurde vom Klang des Klaviers. Im ersten Moment wollte er schon aufspringen und hinuntereilen. Womöglich war Navaliah zurückgekehrt und gab so ihren Einstand? Aber während er diesen Gedanken noch abwägte, ließ er sich im Zuber zurücksinken. Und mit einem vielleicht ähnlichen Fatalismus, der ihn zuweilen willkürlich durch Portale hatte springen lassen, dachte er sich: Es wird schon nichts Schlimmes sein. Es ist nur Musik.

Auch wenn es natürlich nicht nur Musik war. So gedämpft sie auch zu seinen Ohren drang, entfaltete sie dennoch ihre Wirkung. Er lauschte und nach und nach glitten die Gedanken und Anspannungen der letzten Tage von ihm ab. Wohl kommt man nicht umhin, dass sich bei feinfühligen Klängen Bilder in den Kopf malen. Zuerst war ihm Navaliah in den Sinn gekommen, die irgendwo da draußen war und ihren Weg beschritt. Einen Teil des Weges hatte er sie begleiten können, aber wie er selbst zuvor lernen musste, sich zu orientieren und ihm andere dabei nur bedingt hatten helfen können, musste nun Navaliah ihre innere Stimme und Richtung finden. Hier in Lisfar waren die Barrikaden dafür zu hoch. Barrikaden, die durch ihre Fehler und die Unnachgiebigkeit anderer Bestand haben würden. Womöglich hatte Navaliah dies letztendlich erkannt und deswegen… war nicht sie es, die dem Klavier unten gerade diese sanften Klänge entlockte.

Aren dachte an die Geschehnisse der letzten Jahre, nicht zielgerichtet. Es waren versatzstückhafte Blicke in die Vergangenheit, auf Szenen und Gesichter. Vieles war gewonnen worden, manches für immer verloren. Für einen Moment fühlte er sich einsam. Hier oben im Turm. Wusste, wer auch immer da unten spielte – und Aren hatte höchstens eine Ahnung -, dass er hier oben war und – wenn auch nur vage – den Klängen lauschte? Wenn es so war, dann konnte er so einsam nicht sein oder war in seiner Einsamkeit zumindest nicht allein.


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Verfasst : 25. Januar 2025 0:56
Spiegelfeder
(@spiegelfeder)
Fester Nebel Spieler

Große Helden trugen nun einmal die Lasten ihrer Reisen nicht auf ihren Schultern, sondern in ihrem Herzen. Welch ein Glück, dass Musik weder den Anspruch hegte, heldenhaft noch tragisch zu sein. Vielmehr lag es an der Interpretation des Zuhörers, der verallgemeinerbare Emotionen durch den Raum trug und aus einer Vielzahl aneinandergereihter Töne eine fröhliche Melodie formte – oder der Einsamkeit huldigte. Die spielerischen Klänge waren zügig, eingeübt und folgten unbekannten Noten, die zuweilen leicht zu erlernen schienen. Doch wer oder was auch immer sich in jener Nacht in die Räumlichkeit geschlichen hatte, hielt es nicht für notwendig, sich anderweitig bemerkbar zu machen. So verklang das nächtliche Spiel mit einem letzten Ton, der wie das letzte Wasser von den blanken Schultern eines Herrn in einem Waschzuber herabzutropfen schien.

Leise und unscheinbar hatte sich das Pianospiel durch das Museum geschlichen und sich vor der Allgemeinheit versteckt. Es verweilte in den Schatten, wie ein verachtetes, achtbeiniges Tier in einer dunklen Ecke, nur darauf wartend, neugierige Insekten anzulocken – gleich einem Licht in der Dunkelheit, das für eine einzelne Motte hell erstrahlte.

Fernab jeder Poesie erzeugte die anschließende Stille ein bedrückendes Gefühl. Eine Leere, die sich unangenehm und allgegenwärtig im Raum ausbreitete. Gespitzte Ohren hofften auf Schritte in der Halle, das Knarzen einer Tür, ein Räuspern – irgendein Lebenszeichen in der Ferne. Doch nichts geschah. Nichts blieb zurück, außer dem Gefühl, nicht allein zu sein.


Nur die allerbesten Bösen können sich als Gute tarnen.

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Themenersteller Verfasst : 26. Januar 2025 0:22
Land ohne Segel
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