((bezugnehmend hierauf))
Renard und Lyn hatten die restliche Nacht und auch den folgenden Tag gar nicht erst daran gedacht, zu schlafen. Nachdem das Gefäß ins Allerlei verbracht wurde, verschaffte man sich Zugang zum Turm, um möglicherweise hilfreiche Rollen zu holen und das beschädigte Gefäß erstmal mit einem Arkanen Schloss zu versehen. Irgendwas an Deckel war ja immerhin noch übrig und vielleicht konnte das einigermaßen ruhige Zeit verschaffen.
Sobald der neue Deckel oder gar ein gänzlich neues Gefäß fertig wäre, würde ein erneutes Schloss zusätzlich für Sicherheit sorgen sollen, um den Quell des Übels idealerweise im gesicherten Bereich des Turms unter Bewachung zu verwahren. Dabei wäre die Anweisung recht schlicht: Mindestens zwei Personen für die nächsten zwei Tage sollten darauf aufpassen.
Allgemein blieb wenig Zeit, um durchzuatmen, doch kaum, dass etwas Zeit wäre, besah man sich auch die Schäden am Glückstreffer und erkundigte sich bei Samuel, Henry und Elena, ob alles in Ordnung sei, ging die Räumlichkeiten einmal durch, damit es auch wirklich sicher war und als man sich wieder in den Kampf warf, hätte man umherirrende Bürger darauf hingewiesen, dass sowohl in der Fuhrmeisterei, dem Museum und selbstverständlich auch im Glückstreffer Schutz gesucht werden konnte und auch sollte. Nicht zuletzt gab man dem ein oder anderen bestimmt auch einen der bevorrateten Heiltränke, so es nötig war. Die Fuhrmeisterei war magisch geschützt, das Museum robust und der Glückstreffer hatte einen fähigen Barden, der wusste, wie er mit Gefahren umzugehen hatte und würde wohl auf die ein oder andere Weise einen Weg finden, sowohl die dort untergekommenen Leute etwas zu beruhigen und vielleicht auch aufzumuntern, als auch fiese Untiere davonzulocken.
So stand auf der Liste von Renard und Lyn zunächst die Säuberung der Stadt. Den Augen des Schützen entging immerhin kaum etwas, da sollte sich also kaum ein Slaad verbergen können und gemeinsam hatte man schon anderes überstanden. Stadt, Tunnel, Kanäle. Auch wenn das bedeutete, erstmal keinen Schlaf zu finden, war das Tilgen des Übels oberste Priorität. Wunden lecken konnte man auch, wenn es vorbei wäre.
Da die Ressourcen der Slaad natürlich recht hoch im Kurs standen, würde man auch versuchen, Zungen, Augen, Krallen.... mitzunehmen. Aber da sie sich offenbar nicht auflösten, hatte es keine große Eile. Durch den Verkauf der Materialien würde man gewiss so manches Haus reparieren und manchem betroffenen Bewohner mit etwas Gold aushelfen können.
Lysiane blieb mit einem Teil der Helfer im Allerlei zurück und versuchte sich nützlich zu machen. Als erstes wurde ihr am Abend noch gezeigt, wo sich das Lager befindet und da unweit davon auch die Küche liegt, konnte sie neben den von Navaliah benötigten Utensilien auch Essbares aus der Küche mitbringen.
Statt dort Experimente zu wagen, werden Teller mit belegten Broten, etwas Obst, Rohkost, Tee und Wasser hinaufgebracht und im Vorraum abgestellt. Als sie sich sicher war, dass ihre Hilfe dort nicht mehr benötigt wird, beginnt sie beim Allerlei und dem Marktplatz die besiegten Slaads um die alchemistisch wertvollen Reagenzien erleichtern. Neben Augen, Zungen und Steinen birgt sie so auch und drei Klauen, etwa in der Größe ihres Messer.
Sollte sich dabei eine Gruppe finden, die die Waren im Wald sucht oder generell sich in Richtung Vorposten bewegt, würde sie sich dieser anschließen. Ansonsten wagt sie sich nicht zu weit vor und hält sich in den bereits von Slaads befreiten Straßenzügen auf.
Agatha hatte versucht, Navaliah bei der Anfertigung des Deckels zu assistieren, so gut es eben ging. Als es endlich fertig und das Gefäß somit hoffentlich gesichert war, nahm Agatha erst einmal einen seeeeehr langen Schlaf für sich. Erst später gegen Nachmittag machte sie sich dann ebenfalls auf, noch weitere Slaads zusammen mit den anderen zu bekämpfen und deren Augen, Zungen und Klauen einzusammeln, wobei sie nichts davon für sich behielt, sondern alles im Allerlei ablieferte, damit der Erlös hoffentlich den Hinterbliebenen der Toten und den Notleidenden dieser neuen, schweren Krise zugute kommen konnte. Was tat man nicht alles um Freunde zu finden.
"Ich will dir die Wahrheit sagen. Ihr Menschen habt gar keine Angst vor dem Teufel. Ihr hofft und wollt, dass es ihn gibt. Denn gäbe es ihn nicht, dann... wäret ihr ganz alleine selbst für all das hier verantwortlich? Kriege, Morde, Vergewaltigungen. Das wäret dann alles ihr selbst, nicht wahr? Ihr wollt einen Bösewicht, weil dann alles ganz einfach ist. Töte den Bösewicht, vernichte das Böse. Wäre es nicht schön, wenn es einen Meisterplan gäbe? Wenn alles Schlechte auf der Welt irgendeinem Algorithmus folgt, wenn es Teil eines Puzzles wäre, das man lösen könnte? Doch was, wenn das gar nicht der Fall ist? Was, wenn viele Menschen nur das tun, was für sie gerade besser ist, ohne auf die Konsequenzen zu achten? Was, wenn viele Menschen die unter dem Egoismus anderer leiden, irgendwann irgendein Ventil suchen, Fanatismus, Rassismus, Amoklauf? Was, wenn viele Menschen überzeugt sind, das Richtige zu tun und alle, die etwas anderes tun, als Diener des Bösen brandmarken? Dann hätten wir einen kollektiven Wahnsinn, ein Karussell der Gewalt, das sich unaufhörlich dreht und völlig willkürlich alles zerfetzt, nicht wahr? Ihr braucht keinen Teufel. Ihr seid euer eigener."
In der Apotheke und Heilerstube am Markt fanden in der Nacht einige Leute aus der Nachbarschaft Unterschlupf und man versuchte irgendwie der Zahl der Patienten gerecht zu werden. Eine Evakuierung in die Oberstadt hatte die Stadträtin Morgentau rigoros abgelehnt, sehr zum Leidwesen der beiden Gardisten, welche nun in ihrer Gegenwart verweilen mussten und prompt in die Versorgung der Leute miteinbezogen wurden. Die hölzernen Fensterläden des mehrstöckigen Hauses waren alle samt geschlossen, die Tür verbarrikadiert und wer hinein wollte musste tatsächlich einen Augenblick lang warten.
Im Brunnen vor der Apotheke hatte derweil ein Wasserelementares Stellung bezogen. Sehr zum Leidwesen der Slaad, welche in dessen Nähe vorbeikamen.
Über den Tag hinweg hatte sich in der Apotheke kaum etwas verändert. Wer bleiben wollte durfte bleiben, wer lediglich ein Medikament oder eine Behandlung benötigte erhielt diese. Das Personal war sehr gut ausgelastet, an Schlaf war nicht zu denken. Aber die Versorgungslage stand.
Hauptcharakter: Sarah Morgentau - Kind der Meere
Spielleiterzuständigkeit: Marktviertel & Oberstadt
Der Glückstreffer war nach dem Angriff der Slaads zu einem Anlaufpunkt für manche geworden, deren Heim während der Kampfe Schaden genommen hatte, oder die sich in der Gemeinschaft schlicht sicherer fühlten. Auch hatte man einige der leichteren Fälle aus Apotheke und Heilerstube hierher gebracht um diese zu entlasten. Elena, die Schankmaid, erwies sich als überraschend geschickt darin, einfache Wunden zu versorgen und die Heilmagie des Barden Samuel linderte so manchen körperlichen Schmerz, während seine fantasievollen Geschichten und immer passend gewählten Lieder Ablenkung für den müden Geist brachten.
Im Kaminzimmer hatte man Kurzerhand provisorische Schlafstätten eingerichtet, für jene die einen Ort zum Übernachten brauchten und im Schankraum wurde zur Abwechslung Essen serviert, das die Spanne vom einfachen Eintopf bis zum ganzen, gegrillten Schwein abdeckte, je nachdem was eben gerade aufzutreiben war oder das Lager des Glückstreffers hergab. Henry hatte indes ein Auge darauf, dass niemand ob der Situation zu sehr dem Alkohol zusprach.
Er, Samuel und Elena waren mittlerweile ein gut eingespieltes Gespann, sodass Renard keine Bedenken dabei hatte, ihnen den Glückstreffer zu überlassen, wenn er loszog um die Straßen, Abwasserkanäle und eben alle Schlupfwinkel, die ihm einfielen, nach verbliebenen Slaads abzusuchen. Zwar hatte er sich gemeinsam mit Lyn ein Wenig in die Thematik eingelesen, aber am Ende überließ er die Details seiner Magierin und tat, was er am Ende eben doch am Besten konnte, indem er großzügig Pfeile verteilte.
Slaadi in Lisfar. Ein neues Kapitel eines Tieflingslebens. Noch am Abend der Angriffe liess der Tiefling seine Handelsschiffe auslaufen und sorgte nach einem mehr oder weniger erfolgreichen Ergründen der Quelle dieser Ungetümer dafür, dass auch die Liebsten seiner Matrosen sicher mit an Bord der "Silberfeuer" und des bisher namenlosen Schiffes kamen. Die Tage nach dem Angriff auf Lisfar verbrachte der Hohe Magister Corvyn damit, seine Fähigkeiten im Turm und der Oberstadt zur Verfügung zu stellen. Es war ihm ein leichtes, Kadaver zu verbrennen und auch Säuremagie war ihm nicht fremd. Darüber hinaus flanierte er hier und da auch scheinbar tatenlos, allerdings unter der Wirkung eines Wahren Blickes durch die Oberstadt, um möglicherweise verwandelte Slaadi ausfindig zu machen und sie einem verdienten Schicksal zuzuführen.
Während man sich in Lisfar um das eine oder das andere kümmerte, was das Wohl der Bevölkerung anging und vielleicht schon die Schäden reparierte, schlachtete sich ein in Adamant gehüllter Nordmann im Wald durch verstreute Slaads. Alles an Fröschen, was er finden konnte spaltete auf der Suche nach den Wenigen, die er im Wald kennen gelernt hatte. Dass er ihre Kadaver nirgends antraf, liess Ragnar dabei schwach hoffen, dass diese widerlichen Dinger sie nicht erwischt hatten. Und da man ihm gesagt hatte, was von diesen Dingern wertvoll war, kehrte er regelmässig mit prall gefülltem Beutel nach Lisfar zurück, um zu verkaufen, was Lyn ihm so abnehmen konnte. Der wertlose Rest der Kadaver wurde schlicht zu einem Haufen aufgetürmt und in ausreichender Entfernung zum Waldrand verbrannt. Ein womöglich angenehmer Anblick für die Besatzung des Vorpostens, die den besten Blick auf den Scheiterhaufen aus Froschschenkeln hatten.
Von Untertage her erreichten 12 Geflüchtete aus der Zuflucht als ehemalige Bewohner der Unterstadt die Stadt Lisfar auf dem Wege der magischen Translokation. Alle geprüft und frei von Eiern oder magischer Erkrankung wurde eine Liste mit deren Namen an Frau Morgentau gesandt und jene, die es wollten in die Notunterkünfte geleitet wo man deren Namen sicherlich nocheinmal aufnahm. Heim, Auskommen und alles was sie besaßen und nicht am Leibe trugen hatten sie verloren aber immerhin eine Aussicht auf Überleben.
Finnja unternahm an einem Vormittag den Versuch die kleine Liste an Geflüchteten nachzuverfolgen. Sie suchte die Notunterkunft auf, versuchte rauszufinden was aus den einzelnen geworden war und ob es eine Möglichkeit gab den Obdachlosen ein neues Heim zu schaffen. Vielleicht hatte die Stadt ja schon etwas gezaubert im übertragenen oder wörtlichen Sinne. In jedem Fall wollte sie die Menschen nicht ganz vergessen und das was sie verloren aber auch gewonnen hatten. Die Chance auf einen erzwungenen neuen Anfang, einen unsanften Schubs ins kalte Wasser, der dem einen vielleicht noch gefehlt hatte um ganz neue Ideen von einem eigenen Leben zu entwickeln und den anderen vollkommen überforderte. Sicher war sich die Magierin nur darin, dass ihr nicht vollkommen gleichgültig war was aus diesen Menschen wurde und gleichsam sah sie sich nach einer Gelegenheit um bei der Garde Informationen einzuholen. Sie wollte wissen, ob es für jene, die die Geflüchteten versorgt hatten vielleicht eine kleine Belohnung gab. Dabei dachte sie nicht an sich selbst, sondern an die vielen helfenden Hände in der Zufluchte darunter zwei ganz besondere, die der Frau und ehemaligen Bewohnerin der Unterstadt Marina nämlich.