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Jahresendfest

Marek
(@marek)
Fester Nebel Spieler

Jeder begeht das Jahresende auf andere Weise. Manche im Kreise ihrer Geliebten und ihrer Familien, manche unter Freunden, wieder andere alleine und nochmal andere kamen an öffentlichen Orten zusammen, auf Plätzen wo man sich traf oder in Tavernen. 

 

<<Agatha Uldenschlund>>

Die Melodie erklang und Agatha tanzte beschwingt und drehte sich wild umher. Keinen bestimmten Tanz der sich an Regeln, Konventionen oder Abfolgen hielt, es handelte sich einfach nur um eine rhythmische Hingabe ihrer Gefühle, mal trauriger mal freudiger, je nach Art der Musik - obgleich diese sich auch beständig änderte. Denn letztendlich war die Musik Teil einer von ihr selbst erschaffenen Illusionskulisse, die sie mit ihren Zaubern zum Leben erweckt hatte. Dazu gehörte auch das freudig applaudierende Klatschen ihrer Eltern, die am gedeckten Tisch saßen. Hastig und die elterliche Lobpreisung annehmend verneigte sie sich vor Mutter und Vater, die am reichlich gedeckten Tisch saßen. 

"Agatha, du tanzt so schön!" rief die Stimme ihrer Mutter. 
"Lanlle dana ivae", was soviel hieß wie 'Deine Schönheit leuchtet hell' meinte ihr elfischer Vater.

Strahlend richtete Agatha sich wieder auf und antwortete mit einem breiten Lächeln und vergnügtem Funkeln in ihren gelben Augen. 

"Danke Mama, danke Atar! 
...
Und ich hoffe, ihr habt Hunger, denn ich habe ja für euch gekocht! Es ist so schön, dass wir einmal im Jahr nochmal zusammenkommen."

"Oh, was hast du uns denn gekocht, Agatha?"
"Gebratene Wildente mit Zwiebelsoße!"
"Das ist ja so schön von dir, ich habe deine Kochkünste immer geliebt."

Freudig servierte Agatha und aß mit ihren Eltern. Das heißt, zumindest Agatha aß. Ihre illusionären Eltern sahen nur so aus, als würden sie essen. 

"Und Agatha, wie läuft es bei dir, kommst du inzwischen besser mit den anderen klar?"
"Ja, ich habe viele Freunde gefunden hier in Lisfar und inzwischen hält man mich auch kaum mehr für sonderbar. Stellt euch vor, dieses Jahr habe ich mit gegen eine Slaadbedrohung gekämpft, eine Frau vor einem hundeartigen Ghulmonster gerettet, lykantropische Ratten in den Kanälen Lisfars ausgemerzt, eine magische Panierstraße von ihrem Wurmbefall befreit und war im Fernen Reich, wo ich gegen mein magisches Spiegel-Ich kämpfte und eine Fee von einem scheinbar unheilbaren Fluch erlösten konnte. Anschließend war ich noch in der Zauberfeste wo ich mit meinen Freunden ein Wesen aus dem Fernen Reich bezwungen habe! Und jetzt bin ich sogar Magistra des Turmes auf Probe. Und im Moment ermittle ich in einem Fall im Umland und versuche drei verschwundene Jungs zu finden!"
"Oh, Agatha, wir sind ja so stolz auf dich." 

Die blonde Magierin lächelte kurz und erhob sich als ihre Eltern aufstanden um sie zu umarmen. 
....das war ein Fehler.
Die magische Illusion zerfiel und im nächsten Moment war Agatha wieder ganz alleine in ihrer Wohnung, die Renard ihr eingerichtet hatte. Auf ihrem Teller und es gab nur ihren Teller, lagen noch einige Reste der gebratenen Ente. Es war still geworden, auch die durch dieselbe Illusion erzeugte Musik war verklungen. Eine einzelne Träne rann aus ihrem linken Auge über ihre Wange hinab. Agatha entzündete die beiden Stäbchen des zuvor durch die Illusion verborgenen Räucherwerks, auf dem die Namen ihrer Eltern standen. Ein kurzes, bitteres, verklärtes Lächeln huschte über ihr Gesicht. 

"Manchmal vergesse ich, dass ihr schon alle tot seit." 

Nicht nur ihre Eltern. Alle. Alle. Alle. Eine weitere Träne bahnt sich den Weg.

"Mama, Papa. Ich vermisse euch."

Sanft umarmte das mit ihr verbundene Feenwesen Agatha von hinten. Agathas imaginäre Freundin, die anders als die vielen Illusionen, die sie schuf, gar nicht imaginär war. Doch der Unterschied war ihr nicht immer bewusst. Ehrlich gesagt, manchmal wusste sie nicht einmal genau, ob Lyn, Renard, Leyana, Sandari, Aren real waren. Vielleicht war sie in Wahrheit immer noch im Kerker in der Zauberfeste und fantasierte sich all dies hier nur zusammen. Sie schüttelte den Gedanken rasch ab. 

"Es war ein wirklich gutes Jahr, hier in Lisfar." 

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<<Vyraszel Veidolon>>

Die Tiefling drehte das gläserne Schreibwerkzeug zwischen ihren Fingern und tauchte ihn behutsam in das Tintenfässchen. Sie nahm einen tiefen Schluck aus dem Kelch mit dem teuren Wein, den sie aus einem von Leyanas Schränken ge... borgt hatte. Ihr Blick wanderte hinaus durch das Fenster und erfreute sich am Ausblick auf die winterliche, wilde Landschaft die sich um den Turm herum ausbreitete. Dieser Ort war wirklich erst einmal ein guter Unterschlupf.

Auch wenn die Oberfläche etwas... wirklich fremdartiges an sich hatte. Ein glühender Ball aus Flammen, der ein grelles Licht stundenlang über die gesamte Region zu werfen scheint. So machtvoll, dass man ihn nicht direkt anblicken kann, ohne dass die Augen zu verbrennen drohen. Das Fehlen einer Höhlendecke. Hunderte von glänzenden Edelsteinen in der Ferne, die man dort sehen kann, wenn der Ball aus Flammen fort ist. Tiere die viel zu unvorsichtig sind, sich kaum wehren können und deren Haut so weich und leicht zu zerfetzen, deren Fleisch so leicht zu essen und nicht einmal giftig zu sein scheint. Wehrlose Bewohner, die entweder freundlich und hilfsbereit sind oder sie und ihre Hörner fürchten, sie wird hier gefürchtet, wie erfrischend nach einem Leben unter Dunkelelfen, in der meist sie es war, die Angst haben musste. 

Hier könnte sich wirklich etwas für sie entwickeln. Und Leyana war wirklich freundlich zu ihr und dann gab es da noch die andere Tiefling. 

Ihre wildesten Träume könnten sich hier erfüllen. Reichtum! Macht! Luxus! All das, was die verfluchten Matronen in ihren Palästen hatten. 

Endlich hatte sie auch einmal ein wenig Glück.

Langsam senkte sich die gläserne Schreibfeder auf die noch leere Seite des Buches hinab und sie begann zu schreiben.

Den Jahresrückblick, ihre Erinnerungen, die Demütigungen, die sie nicht vergessen wollte und für die sie sich noch zu rächen gedachte, die Dinge, die unerledigt waren und ihre Vorsätze und Ziel für das neue Jahr, das was sie zu erreichen hoffte. 

Es würde ein gutes, neues Jahr werden.

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Wie mochten wohl andere den Jahresabschluss begehen?


"Ich will dir die Wahrheit sagen. Ihr Menschen habt gar keine Angst vor dem Teufel. Ihr hofft und wollt, dass es ihn gibt. Denn gäbe es ihn nicht, dann... wäret ihr ganz alleine selbst für all das hier verantwortlich? Kriege, Morde, Vergewaltigungen. Das wäret dann alles ihr selbst, nicht wahr? Ihr wollt einen Bösewicht, weil dann alles ganz einfach ist. Töte den Bösewicht, vernichte das Böse. Wäre es nicht schön, wenn es einen Meisterplan gäbe? Wenn alles Schlechte auf der Welt irgendeinem Algorithmus folgt, wenn es Teil eines Puzzles wäre, das man lösen könnte? Doch was, wenn das gar nicht der Fall ist? Was, wenn viele Menschen nur das tun, was für sie gerade besser ist, ohne auf die Konsequenzen zu achten? Was, wenn viele Menschen die unter dem Egoismus anderer leiden, irgendwann irgendein Ventil suchen, Fanatismus, Rassismus, Amoklauf? Was, wenn viele Menschen überzeugt sind, das Richtige zu tun und alle, die etwas anderes tun, als Diener des Bösen brandmarken? Dann hätten wir einen kollektiven Wahnsinn, ein Karussell der Gewalt, das sich unaufhörlich dreht und völlig willkürlich alles zerfetzt, nicht wahr? Ihr braucht keinen Teufel. Ihr seid euer eigener."

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Themenersteller Verfasst : 31. Dezember 2024 21:41
Land ohne Segel
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